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DROP DEAD!

Leo ist auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Während seine Eltern im Urlaub sind, sitzt er Tag und Nacht vor dem Computer, um den Richtigen zu finden. Als er meint, einen heißen Südländer kennengelernt zu haben, freut er sich erst einmal ohne Ende ...

DROP DEAD!

" ... Eine kurze unterhaltsame Lektüre für jedermann, möchte ich meinen. Der Autor lässt hier einen völlig unbedarften jungen Mann erzählen, der endlich mal tagelang ungestört von seinen Eltern, deren Computer nutzen kann, um im Netz zu surfen, immer auf der Suche nach der großen Liebe. Es kommt natürlich alles etwas anders, als sich dieser durchaus liebenswürdige Charakter vorgestellt hatte.... Die Geschichte ist mit einer Leichtigkeit erzählt, flüssig geschrieben, dass ich mich vom Anfang bis zum Ende sehr in dieses Werk vertieft hatte ..."

(Leser auf Amazon)

Fakten & Daten:

- geschrieben: Juni 2014 
- Erstveröffentlichung: Juni 2014
- Korrektorat: L. Franke
- Preis: 2,99 Euro (E-Book)



Realitätsgetreu

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Biografisch

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Fiktion

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Sex

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Gefühle / Liebe

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    „Und bau ja keinen Mist!“, warnte Mama mich noch zwischen Tür und Angel. Mein Vater war bereits die Treppen hinunter gegangen.
   „Ich doch nicht“, antwortete ich mit einem kecken Grinsen.
   „Es ist eine Woche, Leo!“
   Ich seufzte. „Ja, ich weiß.“ Mit schnellen Handbewegungen scheuchte ich sie weg. „Jetzt geh – sonst verpasst du deinen Flieger noch. Und das wollen wir doch alle nicht, oder?“
   „Ja-ja“, plapperte sie und ging die Treppe hinab. Noch einmal schaute sie über die Schulter. „Wehe!“, warnte sie mit dem Zeigefinger.
   „Jetzt hau endlich ab“, befahl ich scherzend. „Viel Spaß! Und vergisst nicht, mir eine Postkarte zu schicken!“
   „Machen wir, machen wir“, sagte sie mehrmals.
   Ich wartete den Moment ab, bis ich die Haustür zuknallen hörte, ehe ich die Tür hinter mir schloss und in mein Zimmer stürmte, um aus dem Fenster zu gucken. Aufgeregt blickte ich hinab zum Taxi, in das meine Mutter gerade einstieg. Als es losfuhr, brüllte ich vor Freude laut auf. „Juchu!“ Durch das Zimmer tanzend griff ich nach meinen Zigaretten und zündete mir eine an. Da ich meine Alte allerdings kannte, wartete ich noch eine knappe Stunde, bevor ich die Musik laut aufdrehte. Es hätte ja sein können, dass sie zurückkommen würde, weil sie etwas vergessen hatte – oder so. „Juchu!“, platzte es wieder erfreut aus mir heraus.
   Zuerst wusste ich gar nicht, was ich mit mir anfangen sollte, da ich so hibbelig war, doch dann schoss es mir durch den Kopf. Eigentlich war es schon Wochen vorher geplant gewesen, aber ich war so durcheinander in der Birne, dass ich alles irgendwie vergessen hatte. Ins Internet wollte ich – Typen aufreißen! Da ich in meinem Zimmer kein Internetanschluss hatte, musste ich vor den Rechner im Schlafzimmer. Als erstes musste ich allerdings fett durchlüften, da es arg nach Pups stank. Glaubt mir: Wenn meine Alte einen abließ, dann wollte man nicht im gleichen Raum sein. Da ihr Mann unter Fußpilz litt, wischte ich auch erst einmal kräftigst den Boden durch. Zwar hätte ich das Laminat nicht säubern müssen, da ich eh immer weiße Socken trug, aber wer wusste schon, ob sich diese Bakterien nicht auch durch Stoff fraßen. Nachdem alles schön sauber war – nicht, dass es vorher dreckig gewesen wäre – holte ich meinen CD-Player aus meinem Zimmer, stellte ihn ins Schlafzimmer und legte das erste Album von Nick Lachey ein. Das war genau der Typ Mann, nach dem ich schmachtete. Prompt war auch der Computer an und ich im Internet eingeloggt.
   In der Vergangenheit hatte ich viel Zeit mit meiner besten Freundin in der virtuellen Welt verbracht. Entweder hatten wir im Internetcafé gesessen, in dem ich auf Männerjagd gegangen war, oder wir hatten vor den Rechnern ihres Bruders gehockt. Damals hatte sie jedoch noch nicht gewusst, dass ich schwul war, was das Chatten ein wenig erschwert hatte – und von einem Browserverlauf hatte ich auch nichts gewusst. Anfangs hatte ich immer behauptet, dass ich nur die Typen verarschen wollte. Wenn man aber den ganzen Tag in einem schwulen Chat verbrachte, dann kam selbst die dümmste Person ins Grübeln.
   „Ha!“, hatte sie mich aufgeschreckt.
   „Was ist?“
   „Der will, dass ich mir die Faust in die Fotze schiebe!“
   Ich war erschüttert gewesen!
   Wie auch immer. Jetzt war ich allein und wollte endlich den Mann fürs Leben kennenlernen. Gaychat schien ein passendes Portal für mein Vorhaben zu sein. Sofort erstellte ich mir ein Profil.
   „Dann will ich das alles mal ausfüllen“, murmelte ich. „18 Jahre, 1,70 m groß, 55 Kilogramm schwer – oder leicht, wie man es sieht. Blaue Augen, blondes Haar, ohne Job … ui, und jetzt einen Text.“ Ich brauchte eine Weile, bis ich endlich mal einen passablen Satz hinbekommen hatte. „Ich suche einen süßen Freund zum Verlieben.“ Was Besseres fiel mir nicht ein. „Ich suche nur eine Beziehung, keine Sex-Dates oder Freundschaften. Wobei neue Freunde immer gut sind. Würde mich freuen, wenn sich jemand melden würde.“ Ich erhob mich und ging in die Küche, um mir eine kalte Pepsi-Twist zu holen. Mit dem vollen Glas in der Hand setzte ich mich wieder vor den Rechner. „Oops …“ Mir fiel ein, dass ich gar keine Bilder von mir hatte, die ich hätte einstellen können.
   Schnell stürmte ich ins Bad, um ein wenig Make-up aufzutragen. Ja, ich hatte halt hin und wieder Pickel im Gesicht, und da ich recht blass war, sah das verdammt Scheiße aus. Danach eilte ich in mein Zimmer und griff nach meiner kleinen Kamera. Sich selbst zu fotografieren, war kein Leichtes. Mal gefiel mir die Pose nicht, mal der Gesichtsausdruck, mal war das Bild viel zu dunkel, mal saßen die Haare nicht. Es dauerte eine Weile, bis ich endlich drei geeignete Aufnahmen hatte.
   Hastig lud ich sie auf den Computer und stellte sie in mein Profil ein. „Dann mal los“, freute ich mich leise und klickte mich durch den Haufen an Männern. Man konnte nach passenden Kerlen suchen. Alter, Herkunft, Wohnort … Blöderweise war so gut wie niemand in meinem Umkreis angemeldet. Und wenn mal jemand aus der gleichen Stadt dabei war, dann handelte es sich dabei um einen älteren Herren. Mit meinen 18 Jahren wollte ich aber einen in meinem Alter – plus minus fünf Jahre. Es waren viele süße Typen dabei. Einige ziemlich nackt. Drop Dead!, dachte ich immer wieder fasziniert. Sah schon geil aus, was man alles erblicken konnte, aber nachahmen wollte ich diese Freizügigkeit nicht. Vielleicht hätte ich es getan, wenn ich etwas mehr Speck auf den Hüften gehabt hätte, aber ich war eben sehr schlank, und meinen Penis wollte ich auch nicht der ganzen Welt zeigen.
   Ein paar süße Typen schrieb ich auch glatt mal an. Da ich nie wusste, was genau ich schreiben sollte, war es stets der gleiche Text. Ich kopierte die Zeilen einfach und fügte sie in jeder Nachricht ein. „Hi! Du bist echt süß. Dein Gesicht ist voll knuffig. Hast du vielleicht Lust auf ein Treffen? Liebe Grüße. Leo.“ Die meisten Typen waren offline, doch das hinderte mich nicht daran, eine Message nach der anderen zu verschicken. Nachdem ich hunderte von Kerlen angeschaut und angeschrieben hatte, begab ich mich endlich in den Chat, um direkt mit Leuten in Kontakt treten zu können. Es gab mehrere Chatrooms. Für jedes Bundesland gab es einen, weiterhin für verschiedene Vorlieben, Chats für Leute, die auf Füße und Sneakers standen, Lederkerle, jung sucht älter – und umgekehrt – und zig andere. Ich ging in den Chat ab 16 Jahren bis 25 rein. Glück gehabt! Es gab nämlich ein Limit an Usern, die einen Chatroom betreten konnten. Den letzten freien Platz konnte ich ergattern und schrieb auch gleich mal gut gelaunt: „Hi! Jemand aus meiner Nähe hier? Hätte voll Lust auf einen süßen Typen.“

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