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FUTURE SEX

2050


Die Götter der Planeten Uranus und Neptun können nicht länger mit ansehen, wie die Bewohner der Erde sich selbst zerstören, und beschließen, einzugreifen. Im Jahr 2050 heilen sie den Planeten von all den menschlichen Sünden. Sie ermöglichen den Homosexuellen ein unbeschwertes Leben und verbannen all diejenigen, die ihnen nicht gehorchen, in die Dead-Zone. Das Paradies soll auch der 23-jährige Chris kennenlernen, den die Götter aus der Vergangenheit in diese neue Welt holen. Doch wurde er nicht grundlos in die Zukunft geschickt. Chris muss die Welt retten, doch zuvor darf er sich reichlich vergnügen.

Daten & Fakten:

- Erstveröffentlichung: Juli 2014
- Korrektorat: L. Franke
- Fantasy / Erotik
- Preis: 3,99 Euro (E-Book)

Realitätsgetreu

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Fetisch

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Sex

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Bareback

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   Bis zum Jahr 2050 war das Leben auf der Erde für einige von uns eine Qual. Menschen zogen in den Krieg, Eltern schlugen ihre Kinder, brutale Jugendliche suchten sich immer wieder schwächere aus, um sie fertigzumachen, Politiker entschieden über Recht und Unrecht, Hungersnot, Krankheiten, die Todesstrafe, und dann gab es obendrein auch noch den Glauben, der das meiste auf diesem wunderschönen Planeten zerstört hatte.
   „Bete zu Gott, und er wird dich erlösen.“
   „Der Teufel steckt in jedem nicht heterosexuellen Menschen!“
   Und sie alle beteten zu Wesen, die sich noch nie jemandem gezeigt hatten.
2050 war die Weltbevölkerung auf 9.400.500.000 gestiegen und alles ging langsam aber sicher den Bach runter. Doch dann kam die Erlösung! Die Götter der Himmelskörper Uranus und Neptun entschieden, einzugreifen und uns alle gleichzeitig in einen tiefen Schlaf fallen zu lassen. Sie zeigten uns Menschen die Wahrheit. Als erstes machte Neptun aber deutlich, dass sie eine Frau und kein Mann war. Ihr richtiger Name war Neptunia, jedoch wollte sie lieber Neptun genannt werden. Die Bezeichnung Gott oder Göttin war völlig irrelevant. Ein Gott war ein Gott – egal, ob männlich oder weiblich. Nachdem dies geklärt war, warfen sie uns zornig unsere Taten vor, verbannten all diejenigen, die nicht auf sie hörten in die Dead-Zone und erzählten uns die Geschichte von Gott.
   Gott war jemand, der gern enge Lederhosen und fette, schwarze Bikerboots trug. Allerdings hatte er die Menschheit bereits vor Hunderten von Jahren aufgegeben. Seine schönen schwarzen, langen und gelockten Haare hatten wegen der Dummheit des Volkes etliche weiße Strähnchen bekommen. All seine Bemühungen, dem Weiß den Kampf anzusagen, waren gescheitert. Doch ehe er sich aus dem Staub machte, schenkte er der Menschheit eine letzte Weisheit: Das Wissen, wie man sich die Haare färbte. Danach packte er seine Sachen und verließ unsere Galaxie. Zwar hatten die Götter Uranus und Neptun ihn noch aufzuhalten versucht, sich darum bemüht, ihn dazu zu überreden, es sich doch noch mal anders zu überlegen, doch der Erdengott hatte die Schnauze gestrichen voll. Die Begriffsstutzigkeit seiner Schützlinge waren ihm einfach zu anstrengend geworden. Er brauchte mal Urlaub – höchstwahrscheinlich auf ewig. Uranus und Neptun schlugen daraufhin die Hände über den Köpfen zusammen und sahen Jahrhundertelang dabei zu, wie die Bewohner des blauen Planeten sich gegenseitig verstümmelten. Sie konnten nicht verstehen, dass Milliarden von Seelen dermaßen unterentwickelt in ihrem Denken waren. Die meisten Menschen handelten wie dumme, unwissende Schulkinder, benutzten nur einen minimalen Anteil ihres Gehirns. Dies regte Neptun und Uranus dermaßen auf, dass sie manchmal tobende Stürme und Überflutungen sandten, dabei ungewollt auch unschuldige Wesen in den Tod schickten. Beide Götter wussten, dass sie etwas ändern mussten. Es konnte so einfach nicht weitergehen. Und so kam es, dass beide die Erde aufsuchten. Sie heilten den Planeten von all unseren Sünden, erschufen zwei neue Kontinente und teilten die Bevölkerung an zehn sogenannten Punkten auf. Damit die Menschen nicht allzu sehr verwirrt wurden, behielten sie einige der bekannten Landesnamen bei.    Die erste Aufgabe war es jedoch, die beiden neuen Kontinente mit Leben zu füllen. Sie schufen wunderschöne Städte, Strände und ließen die Natur erblühen. Den ersten Kontinent nannten sie absichtlich Lesbian, um die Homophoben in der Dead-Zone zu ärgern. Auf Lesbian schickten sie über 650 Millionen Frauen, damit diese ein unbeschwertes Leben führen konnten. Weitere 165 Millionen lesbische Ladys waren auf der Erde verteilt. Der zweite und mit Abstand wichtigste neue Kontinent war das Land mit dem simplen Namen Gay. Dort lebten nun über 1,85 Milliarden homosexuelle Männer. Weitere 1,25 Milliarden schwule Boys waren auf der ganzen Welt verteilt. Auf Gay waren keine heterosexuellen Menschen erlaubt – auch keine Kinder, denn es sollte ein Paradies für die Schwulen sein. Immerhin gab es ein kleines Nachbarland, in dem es etliche Vergnügungsparks für die Fans der Homosexuellen gab. Dort konnte man Urlaub machen und in die Welt der Schwulen eintauchen.
   Und Uranus sprach: „Jeder, der gegen die Homosexualität wettert, der wird in die Dead-Zone verbannt!“
   Die Dead-Zone lag zum Teil im ehemaligem China und Russland. Dorthin wurden alle Menschen zwangsverschickt, die Homosexualität für unnormal hielten. Über 1,735 Milliarden Seelen mussten dort in erbärmlichen Verhältnissen leben, für einen Mindestlohn arbeiten, sich von Politikern das Leben schwer machen lassen. Kriege, Hass und Habgier bestimmten den Ort, auf den niemals das Licht der Sonne strahlte. Eine ewige Dunkelheit, doch die meisten nahmen dieses Leben in Kauf. Es war fast wie die Jahrzehnte davor, nur ohne Fröhlichkeit und Homosexuelle. Für einige war es sogar das Paradies. Sicherlich versuchten etliche Menschen immer wieder zu fliehen, doch der Zauber von Neptun, der diese Landschaft unter Quarantäne hielt, war zu gigantisch. Da halfen keine Waffen oder Bomben. Nur selten empfand Uranus Mitleid und entließ jemanden in die Freiheit, was vor allem daran lag, dass nur sehr wenige ihre Ansichten ändern wollten.
   „Ihr glaubt an die Hölle?!“, meckerte Neptun. „Ich verbanne euch in die ewige Dunkelheit, dann wisst ihr, was die Hölle wirklich ist.“
   Uranus war beeindruckt von Neptuns Zorn und verliebte sich immer mehr in sie. Dass dies überhaupt noch möglich sei, hätte er niemals gedacht.
   Nachdem alle bösen Wesen in die Dead-Zone geschickt worden waren, verschönerten die beiden Götter den blauen Planeten. Deutschland, Spanien, Frankreich, Teile Russlands und Chinas, Japan, Indonesien … alles wurde einheitlich zu Europa. Dort lebten nun über 2,2 Milliarden Menschen, wovon über 600 Millionen homosexuell waren. Afrika teilten sich über 1,65 Milliarden Menschen, Australien über 60 Millionen, 350 Millionen fanden in Brasilien ein Zuhause, 145 Millionen in Mexiko, 60 Millionen in Kanada und über 500 Millionen lebten nun in den Vereinigten Staaten.
   Uranus und Neptun waren mit ihrer Arbeit zufrieden, denn die über 3,1 Milliarden Schwulen und über 815 Millionen Lesben konnten nun in Frieden mit den übrigen 3,75 Milliarden Heterosexuellen leben. Jedoch hatte keiner von ihnen einen Zugang zur Dead-Zone. Allerdings wollte dort auch niemand freiwillig hin. Neptun war begeistert von der plötzlich aufkommenden Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben. Sie fand es auch klasse, dass keiner mehr wegen seiner Nationalität oder Hautfarbe ausgestoßen wurde. Niemand musste mehr für einen Niedriglohn arbeiten oder hungern. Es gab auch keine wahnsinnigen Biologen mehr, die für Pharmaindustrien Viren erfanden, um Profit mit einem Gegenmittel zu scheffeln. Uranus entschied sich sogar dafür, alle nur denkbaren Geschlechtskrankheiten, neben Krebs, abzuschaffen. Wer Sex mit jemandem haben wollte, konnte es nun ohne Bedenken tun. Bereits in der Grundschule wurde den Kindern beigebracht, dass es nicht nur   Heterosexuelle gab, sondern auch Homosexuelle. Neptun erklärte, dass dies von der Natur gewollt sei, damit es zu keiner Überbevölkerung kam. Hätte der Erdengott dies nicht gewollt, würden bereits über 50 Milliarden Seelen auf der Erde leben und es wäre alles noch viel schlimmer, als es vor der großen Veränderung war. In den Schulen wurde fortan auch niemand mehr ausgeschlossen, ausgelacht oder niedergemacht. Alle Menschen waren gleich. Keiner war etwas Besseres, nur weil er eine andere Sexualität hatte. Sicherlich gab es auch weiterhin klügere Köpfe und weniger schlaue Menschen, aber das musste so sein, um das Gleichgewicht zu halten. Dennoch war ein Müllmann genauso angesehen wie ein Lehrer oder gar ein Wissenschaftler. Die Menschen waren nicht mehr neidisch auf das Hab und Gut eines anderen, da sich absolut jeder einiges leisten konnte. Sicherlich verdiente jemand mit einer Ausbildung immer noch mehr als jemand, der die Schule abgebrochen hatte, doch war keiner von beiden in irgendeiner Art und Weise in den Augen der Gesellschaft mehr oder weniger wert. Die Währung wurde auf dem ganzen Planeten in Neptun und Uranus umbenannt. Neptun wollte unbedingt, dass die Scheine nach ihr benannt wurden. Dies war Uranus nur recht, denn mit Kleingeld konnte er werfen, wenn ihm mal jemand auf die Nüsse ging. Was die Menschen im Jahr 2014 noch als 1 Euro gekannt hatten, war nun 1 Uranus. Einiges an Kleingeld wurde abgeschafft. Das niedrigste, was es gab, waren 10 Uranier, was für die Menschheit im Jahr 2014 noch als 10 Cent bekannt gewesen war. Das Geld begann bei 10 Uranier, ging weiter auf 25 Uranier, 50 Uranier, 1 Uranus, 2 Uranus, 3 Uranus, 5 Uranus und endete bei 10 Uranus. Neptuns Scheine begannen bei 10 Neptuns und gingen weiter mit 20 Neptuns, 30 Neptuns, 50 Neptuns, 100 Neptuns, 200 Neptuns, 500 Neptuns und 1.000 Neptuns. Hatte ein normaler Bürger im Jahr 2014 noch rund 1.500 Euro verdient, bekam jeder jetzt einen Mindestlohn von 2.000 Euro – 2.000 Neptuns – und das netto! Es gab keine gigantischen Steuern mehr, die die Hälfte der Einnahmen fraßen, und Krankenkassen verlangten dank der fehlenden Epidemien auch viel weniger. In Deutschland wurde die ARGE wurde von Uranus prompt abgeschafft. Uranus empfand es als eine Frechheit, wie man mit den Menschen umgegangen war (die meisten von ihnen waren nun auch in der Dead-Zone verbannt). Stattdessen gab es auf der ganzen Welt Arbeitsämter, in denen jeder herzlich willkommen war. Es gab Kaffee und Kuchen, obendrein sogar freundliche und gut gelaunte Sachbearbeiter. Wenn jemand einen Job suchte, dann ging man gechillt zum Arbeitsamt. Dort wurde man gefragt, was man gern machen würde, was die Hobbys seien und ob man die Schule abgeschlossen hatte. Kein Mensch kam ohne eine Liste mit über 100 möglichen Jobangeboten aus einem Gespräch.
   Autos verpesteten auch nicht weiterhin die Umwelt, da jeder Motor von Uranus mit einem sogenannten Anus ausgestattet war und mit der Energie – sogenannten Funken – von Neptun angetrieben wurde. Die Preise lagen auch nicht mehr bei 1,60 Euro oder mehr pro Liter, sondern bei 50 Uraniern. Auf 100 Kilometer verbrauchte jeder Wagen gerade mal einen Funken von Neptuns Energie. Autofahren machte also wieder Spaß.
   Ja, der Menschheit ging es gut, und alle Schwulen und Lesben, die sich mit der Volljährigkeit dazu entschlossen, auf Gay oder Lesbian zu leben, konnten ein Leben führen, wie sie es sich immer vorgestellt hatten.
   Schwule konnten in Fetisch-Kleider auf die Straße oder gleich ganz nackt herum laufen. Keiner störte sich daran, wenn ihm ein Mann entgegen joggte, der eine Morgenlatte hatte. Niemandem war es peinlich oder unangenehm, wenn zwei Schwule irgendwo Sex hatten. Das Miteinander war einfach viel offener.   Die Menschen auf dem ganzen Planeten waren frei, unbekümmert und konnten bis zu ihrem 80. Lebensjahr ohne Krankheiten leben. Sie hatten auch keine Angst mehr vor dem Tod, da Neptun ihn verriet, dass das Leben nach dem Tod weitergehen würde – nur in einer anderen Galaxie. Jeder Mensch starb an seinem 80. Geburtstag und wen auch immer es traf – sie waren glücklich, auf der Erde gelebt zu haben. Allerdings gab es auch weiterhin Krankenhäuser, da Menschen sich oft mal irgendwelche Knochen brachen. Dass ein Mensch jedoch vor seinem 80. Lebensjahr starb, ließ Neptun niemals zu.
   Die edle Neptun besuchte oftmals Lesbian, da sie sich von den Frauen, die dort lebten, zum Teil sehr angezogen fühlte. Sie liebte die herrschende Freude am Meer, die Fröhlichkeit der Menschen, die Hand in Hand durch den Sand liefen.
   Der leicht arrogante Uranus hingegen verbrachte viel Zeit auf Gay. Er liebte den Anblick sich küssender Männer, vergötterte die Partys, auf der sich stattliche Kerle in Lederchaps gegenseitig die Löcher verzuckerten. Ab und zu gesellte Uranus sich auch dazu und erlebte Höhepunkte, wie er sie noch nie zuvor erlebt hatte. Dass alle Schwule jedoch nur ständig an Sex dachten, war eine seit Jahrzehnte lang bestehende Lüge. Es gab Millionen, die in ruhigeren Städten lebten und dort ein monogames Leben führten. Für jeden Menschen gab es eben einen geeigneten Ort auf dem Planeten – auch für die Heterosexuellen.
 
   Die beiden Götter Neptun und Uranus standen auf einem Felsen und blickten auf das ruhige Meer.
   „Die Erde“, sagte Neptun, die ein leicht durchsichtiges, hellblaues Kleid trug,   „wenn doch nur der Erdengott sehen könnte, was wir geschaffen haben.“
   Der in einer hochgezogenen und edlen, braun-glitzernden Tunika bekleidete Gott Uranus ging in die Hocke und griff nach einem kleinen Stein. Er schmiss ihn über das Wasser und während der Stein auf das Meer prallte, fühlte er den sanften Wind, der seine Hoden kitzelte. Ein leichtes Lächeln flog ihm über die Lippen. „Er wird zurückkommen, Neptun“, versicherte Uranus. „Eines Tages, da wird der Gott dieses Planeten zurückkommen, und er wird glücklich über das sein, was wir erschaffen haben.“
   „Ich bin so froh, Uranus“, Neptun versank kurz in ihren Gedanken, „dass man mich nicht mehr für einen Kerl hält.“ Sie schnaubte.
   „Das kann ich mir gut vorstellen.“
   „Warum hielten sie all die Zeit nur an der griechischen Mythologie fest?“
   „Weil sie es nicht anders kannten und nicht offen für Neues waren, Neptun.“ Uranus überlegte einen Moment. „Wenn es immer noch nach ihnen gehen würde, dann hätten auch alle Götter fette Bärte und lange Haare.“
   „Was die anderen Götter wohl davon gehalten haben?“
   „Venus“, schmunzelte Uranus, „fühlt sich sicherlich angepisst, da jeder immer davon ausging, dass er weiblich sei.“
   „Die Göttin der Liebe – Venus.“ Neptun kicherte. „Dabei könnte Venus nicht männlicher sein.“
   „So männlich, wie ich?“, fragte Uranus mit Hoffnung in der Stimme.
   „Ich weiß nicht“, grübelte Neptun.
   Autsch, dachte Uranus beleidigt.
   „Saturn ist doch viel männlicher.“ Neptun wusste, dass Uranus ihn nicht leiden konnte, doch sie liebte es einfach, ihn zu necken.
   Uranus prustete und machte einen genervten Wink.
   „Ach, Uranus. Keine Angst. Saturn reizt mich nun wirklich nicht. Lieber würde ich es mit der Göttin Merkur treiben.“
   „Willst du mich jetzt eifersüchtig machen?“
   „Funktioniert es denn?“, fragte sie mit einem frechen Blick.
   „Ich – auf die?!“, wollte er leicht abwertend wissen. „Nie im Leben.“
   „Du bist süß, wenn du dich so verhältst.“
   „Ich weiß“, sagte er selbstbewusst. „Aber das mache ich doch gern.“
Neptun kicherte und schloss die Augen, um den Klang des Meeres zu zuhören.    „Weißt du, worüber ich auch froh bin?“
   „Hm?“
   „Dass wir die Bibel aus den Köpfen der Menschen verbannen konnten.“
   „Nicht nur du, Neptun. Bis auf die Unartigen, den Menschen in der Dead-Zone, glaubt keiner mehr an den Schwachsinn, der einst von irgendwelchen Volltrunkenen verfasst wurde.“
   „Was der Erdengott sich wohl dabei gedacht hat, als er hörte, wie manche Menschen über die Evolution denken.“
   „Er war mit Sicherheit nicht zufrieden.“
   „Wie konnten die Menschen nur so dämlich sein und glauben, dass ein Gott sie erschaffen hat?“
   „Sie haben sich eben von dem falschen Glauben leiten lassen. Ein Glaube, der sich in den Köpfen der Menschheit festgefressen hatte. Ein Gott erschafft nicht das menschliche Leben. Ein Gott kümmert sich um das Leben, räumt Missverständnisse aus dem Weg, macht das Leben einfach lebenswerter.“
   „So wie wir?“, fragte Neptun.
   „Ja, so wie wir“, bestätigte Uranus.
   „Wenn der Erdengott eines Tages zurückkommen sollte, dann werde ich ihm erst einmal kräftigst in den Hintern treten.“
   „Ob das eine so gute Idee ist?“, schmunzelte Uranus.
   „Warum denn nicht? Verdient hätte er es doch. Schließlich hat er seine Schützlinge aufgegeben.“
   „Das meinte ich nicht.“
   „Was denn dann?“
   „Der Erdengott steht auf so was.“
   „Ach, du meinst, er ist ein warmer Bruder, wie die Menschen auf der Erde es so gern nannten?“, sagte Neptun mit einem Anflug von Sarkasmus in der Stimme.
   „Davon kannst du ausgehen.“
   „Dann sollte ich dir vielleicht den Vortritt überlassen“, neckte Neptun ihn.
   „Ey, nicht so frech. Sonst …“
   „Sonst was, Uranus?“, unterbrach Neptun ihn feixend. „Bekomme ich sonst die gewaltige Macht von Gott Uranus zu spüren?“ Sinnlich sah sie ihn an.
   „Wenn es das ist, wonach sich meine Göttin sehnt“, sagte Uranus. Er umfasste Neptuns Hüften und gab ihr einen zärtlichen Kuss auf den Mund.
   „Wir sollten uns jetzt um ihn kümmern“, meinte Neptun, nachdem sie sich von den köstlichen Lippen von Uranus gelöst hatte.
   „Ja, es wird Zeit.“ Uranus ließ sein Schwert der Macht in einem wunderschönen braun-leuchtendem Licht erscheinen. „Es wird uns einiges an Kraft kosten, wenn wir die Zeitströme verändern.“
   „Ich weiß“, Neptun bewegte ihre Hand durch die Luft. Ein traumhafter blauer Schleier erschien und ihr Zepter der Macht wurde sichtbar. Sie griff danach.
   „Ist mir ein Rätsel, warum die Menschen immer davon ausgingen, dass du einen Dreizack besitzen würdest.“
   „Du kennst doch das Denken der alten Bevölkerung.“
   „Du hast Recht.“
   „Dann lass uns jetzt Chris in diese Welt holen.“
   „Er wird ganz schön verwirrt sein“, meinte Uranus, als er sein Schwert nach vorn hielt und Neptun ihr Zepter drüber legte.
   „Aber er wird glücklich sein und endlich so leben können, wie er es sich immer vorgestellt hatte.“ Das Schwert und das Zepter leuchteten immer heller auf.
   „Eine Schande, dass wir nicht alles ungeschehen machen können oder zumindest jeden Homosexuellen glücklich machen können.“
   „Das liegt nicht in unserer Macht, und es steht uns auch nicht zu“, sagte Neptun mit erhobener Stimme.
   „Nur bei diesem Jungen müssen wir eine Ausnahme machen.“
   „Sein Licht strahlt heller als alle anderen. Er muss diese Welt einfach kennenlernen. Es geht nicht anders! Wir müssen ihn hierher holen, um zu verstehen, warum von ihm so eine unglaubliche Kraft ausgeht.“
   „Dann lass es uns tun!“, verlangte Uranus.
   Neptun nickte zustimmend. Sie schloss ihre Augen und konzentrierte sich.   Das Meer verschwand und die beiden Götter schwebten in einer Schwärze.
   „Macht des Neptuns!“, brüllte sie. Ihr Zepter wurde immer heller.
   „Macht des Uranus!“ Auch das Schwert von Uranus erstrahlte in einem hellen Licht.
   „Vereinige dich!“, befahlen beide zur gleichen Zeit. Der Klang des Meeres ertönte und ein leichter Wind brachte ihre Haare zum Flattern. Alles um sie herum schimmerte und glänzte in wunderschönen Farbtönen. Zusammen hielten sie ihre magischen Waffen in die Luft und schrien: „Jetzt!“ Eine Explosion aus glitzernden Sternchen folgte.
 
2.
 
   Den Rucksack locker über die Schulter geworfen, das weiße Hemd halb offen. Anregender Wind kitzelte meine Brustwarzen. Mit dem MP3-Player in der engen Jeans und den Stöpseln in den Ohren lief ich gut gelaunt durch die City. Ich war auf dem Weg zum Schwimmbad und wippte ständig mit dem Körper hin und her. „Gimme more“, sang die Sängerin, und ich leierte dauernd mit, doch statt „Gimme More“ trällerte ich „Gimme Gays.“ Wahrscheinlich sahen mich einige meiner Mitmenschen seltsam an, doch das war mir wurscht. Bei diesem schönen Wetter konnte mir keiner die gute Laune nehmen. 28 Grad zeigte das Außenthermometer an, und ich war bereit ins Becken zu springen. „Gimme Gimme … Gimme Gays“, hauchte ich und zog einen Stöpsel aus meinem Ohr, damit ich die Frau am Eingang verstehen konnte.
   „Fünf Euro“, verlangte sie.
   „War auch mal billiger“, murmelte ich und zahlte den Eintritt. Lächelnd ging ich zu den Umkleidekabinen und schielte gleich mal zu einem heißen Typen in knappen Badepants. Mann!, dachte ich. Sexy! Ich machte die Musik aus und zog mich in der Umkleidekabine komplett aus. In meinem Rucksack war nicht viel drin, bis auf ein großes Liegehandtuch, eins zum Abtrocknen und meine neue Badehose. Das Teil war echt rattenscharf und hätte mir zur falschen Zeit großen Ärger einhandeln können. Zum Glück mussten die meisten Jugendlichen um diese Zeit in der Schule sitzen. Mit meinen 23 Jahren hatte ich diese längst hinter mir gelassen und da ich heute frei hatte, wollte ich einfach mal relaxen, und das konnte ich am besten im Wasser. Mein neues Höschen war aber auch krass! Eine Mini-Shorts mit verdeckter Kordelschnürung. Sie war seitlich angebracht. Einfach ein perfekt-sportlich-maskulines Outfit mit tiefem Hüftansatz und hochgeschnittenem Bein. In der Front war eine Schlaufe eingenäht, die eine fette Wölbung der Frontpartie bewirkte. Als ich sie anhatte, bekam ich gleich mal eine Latte, die aber schnell wieder erschlaffte. Schnell schmierte ich mir noch ein wenig Sonnenmilch auf meinen leicht gebräunten Körper. Ein wenig Herzklopfen hatte ich schon, als ich die Kabine verließ, denn es gab ja immer irgendwen, der einen blöd von der Seite anmachte. Manchmal ging mir das echt auf die Nüsse. Warum mussten die Menschen immer so gehässig sein? Wieso musste man sich für sein Outfit rechtfertigen? Scheiße, ey! Wir sind doch alle nackt geboren und Kleidung ist doch rein zum Schutz da – und um gut auszuschauen. Noch nie hatte ich die Aufregung deswegen verstanden, aber das ist wohl etwas, was ich nie kapieren werde.
   Ich verstaute meinen Rucksack in einem Schließfach und band mir den Schlüssel um den Fußknöchel. Mit den Handtüchern ging ich nach draußen und das erste, was ich bemerkte, war, dass mich zwei Erwachsene ganz bescheuert angafften. Ohne darauf zu reagieren suchte ich mir ein schönes Plätzchen in der Sonne und legte mein Badetuch auf die Wiese. Das Schwimmbad war am frühen Morgen noch recht leer, was mich natürlich erfreute. Aufgeregt rieb ich die Hände aneinander und ging zur Dusche, um mich abzukühlen. „Brrr“, zitterte ich und rannte prompt zum großen Becken. Mit einem Satz machte ich einen Köpper und tauchte hinab in das wohltuende Wasser. Ich kraulte mehrere Bahnen, ehe ich mich auf dem Rücken treiben ließ. Es war so erholsam – einfach wunderschön. Zwar spürte ich immer wieder, wie meine Pants tiefer und tiefer rutschten, aber das störte mich nicht – sah ja auch niemand. Als ich aus dem Wasser ging, um ein wenig auf dem Badetuch zu entspannen, zog ich mir die Shorts allerdings schnell wieder hoch. Musste ja nicht jeder meinen entblößten Hintern sehen, auch wenn es mir egal gewesen wäre – zumindest dann, wenn es keine prüden Spinner auf der Erde gegeben hätte. Nach einer kurzen Pause sprang ich zurück ins Becken. Ich konnte einfach nicht genug von dem Nass bekommen. Als jedoch immer mehr Besucher ins Schwimmbad kamen, wollte ich wieder hinaus, da ich bei großen Menschenansammlungen einfach nicht entspannen konnte. „Noch eine Bahn“, flüsterte ich und schwamm los. Auf einmal packte mich etwas an den Beinen und zog mich hinab in die Tiefe! Wasser strömte in meine Lungen, Panik machte sich breit. Nichts konnte ich erkennen. Alles war so dunkel! Es fühlte sich an, als ob zehn Hände an meinen Beinen ziehen würden. Sie griffen nach meinen Füßen, meinen Oberschenkeln, meiner Shorts. Voller Angst versuchte ich, die Klauen von mir zu nehmen, doch ich hatte keine Chance. Es ging immer weiter nach unten – zu weit! Ich war mir sicher, dass das Becken niemals bodenlos sein konnte. Mit all meiner übrig gebliebenen Kraft bewegte ich die Arme, um wieder hoch zu gelangen. Was geschieht nur mit mir?! Meine Kräfte ließen nach, und es ging weiter hinab in eine unendliche Tiefe. Ich verlor mein Bewusstsein …

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