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HEAVEN ON EARTH

DER MANN AUS MEINEN TRÄUMEN

In diesem Moment leben rund 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde. Manche haben Angst und laufen weg. Einige kommen nach Hause und andere lügen, um den Tag zu überstehen. Andere wiederum sehen der Wahrheit ins Auge und etliche sind böse, im Krieg mit dem Guten. Über 7 Milliarden Seelen auf der Welt – und manchmal braucht man nur eine einzige.

Carmen ist überaus glücklich darüber, dass sie nach langer Suche einen Teilzeitjob in einem gigantischen Spielwarengeschäft ergattern kann. Auf Anhieb versteht sich die Abendschülerin mit ihren Kollegen, doch dies gefällt ihrer Freundin Silke überhaupt nicht. Sie will Carmen für sich allein haben und droht ihr mit der Offenbarung eines Geheimnisses, sollte Carmen nicht das tun, was Silke von ihr verlangt. Carmen lernt, was Freundschaft wirklich bedeutet, und schwärmt nebenbei gleich mal für drei Männer. Aber wer von den charmanten Jungs ist der Mann aus ihren Träumen, den sie in der realen Welt unbedingt an ihrer Seite haben möchte?

Daten & Fakten:

- Erstveröffentlichung: Juli 2020
- Korrektorat: Lilian Franke
- Lektorat: MvS
- Preis: 2,99 Euro

- Originaltitel: Fantasy - Der Mann meiner Träume
- Autor: Alec Xander
- Verlag: X-Scandal Books
- Genre: Gay
- überarbeitete Ausgabe: Juni 2020

Realitätsgetreu

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Biografisch

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Fiktion

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Liebe / Gefühle

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Freundschaft

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   Ende Oktober 2003

Es war spät in der Nacht, als ich in meinem Bett lag und von einer romantischen Begegnung träumte. Eine wunderschöne Wärme umgab mich. Endlich schien ich den Mann meiner Träume gefunden zu haben. Doch wer war er überhaupt? Ich hatte mich einfach in seine Arme fallen und mich von ihm umarmen lassen. Langsam wich ich von seiner Brust und schaute zu ihm auf. Seine Lippen waren voll, ein attraktiver Kussmund schmückte sein Antlitz. Ich konnte mein Herz spüren, das wie wild vor Aufregung klopfte. Gleich war es so weit. In wenigen Augenblicken würde ich nach all den Jahren des Alleinseins endlich wissen, wer der Mann meiner Träume sein würde. Dass ich schlief, war mir bewusst, denn wo sonst – außer in der Fantasiewelt – konnte man schon auf Wolken laufen? Aber dies spielte für mich keine Rolle, denn wenn er in meiner Fantasie existierte, dann auch da draußen in der realen Welt. Suchen würde ich ihn, finden und niemals mehr loslassen. Doch dafür musste ich wissen, wer er war. Dass er mehr als einen ganzen Kopf größer war als ich, war weniger überraschend, da ich mit meinen 159 Zentimetern ziemlich klein geraten war. Kurz davor, ihm in die Augen zu schauen, riss mich plötzlich eine weibliche, mir bekannte Stimme aus dem Schlaf.

„Carmen!“

Ich riss die Augen auf, setzte mich blitzartig aufrecht hin und schaute auf etwas, das unheimlicher gar nicht hätte aussehen können. Das Licht des Mondes ließ das Schemenhafte noch bedrohlicher wirken, als es ohnehin bereits war. Ängstlich zog ich die Bettdecke zur Nase hin, als es Schritt für Schritt auf mich zu kam. War das etwa eine Brust, was ich da zu erkennen meinte? Ich kniff die Augen halb zusammen und sah mit gerunzelter Stirn zu dem Furchterregenden hin. Ja, es war eine Brust, die ich erkannte. Das Schattenwesen hatte sogar zwei davon. Zwei tiefhängende Brüste, die nur zu einer Person im Haushalt gehören konnten: meiner stets textilfreien Mutter. Erleichtert darüber, dass mich niemand umbringen wollte, stieß ich einen Seufzer aus.

„Fräulein!“, mahnte sie mit erhobenem Finger.

Wenigstens unter den Achseln hätte sie sich mal rasieren können. Nicht, dass ich etwas gegen die Freikörperkultur hätte, aber in manchen Momenten wünschte ich mir wirklich, dass meine Mama sich mal etwas überziehen würde.

„Du wirst dir morgen früh gefälligst einen Job suchen!“

„Deswegen weckst du mich?“, fragte ich entsetzt.

„Haben wir uns verstanden?!“

Warum brüllte sie mich denn so an? Was konnte ich denn dafür, dass die Ehe mit ihrem Ex-Mann, der übrigens nicht mein Vater war, nicht sonderlich gut lief und im Chaos endete?

„Ja, ist ja gut“, sagte ich kopfschüttelnd. „Komm mal runter.“

„Morgen, mein Fräulein“, warnte sie mich wild gestikulierend, „wirst du deinen Hintern aus dem Bett heben und dir endlich eine Arbeit suchen.“ Ihre hängenden Melonen schwangen von links nach rechts und von oben nach unten. Es war wirklich kein schöner Anblick und ich konnte nur hoffen, dass meine Brüste eines Tages nicht mit meinem Bauch konkurrieren würden.

„Ja, werde ich“, erwiderte ich genervt und winkte sie weg.

„Morgen“, wiederholte sie, ehe sie mein Zimmer endlich verließ. Dass meine Tür über einen Griff verfügte, schien Mama wieder einmal vergessen zu haben. Vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, war es pure Absicht. Ein lauter Rumms ließ mich und vermutlich auch die Nachbarn in näherer Umgebung aufzucken. Tief atmete ich durch, ehe ich mich nach hinten aufs Bett fallen ließ. Dass meine Mutter mich aus dem Schlaf gerissen hatte, nur um das von mir zu verlangen, was sie bereits seit Wochen von morgens bis abends von mir wollte, konnte ich nicht nachvollziehen. Sie tat so, als ob ich keiner Arbeit nachgehen wollte, was aber keinesfalls der Wahrheit entsprach. Natürlich wollte ich beruflich tätig sein. Allein schon aus dem Grund, um mir Sachen leisten zu können, die mit dem mickrigen Taschengeld nicht bezahlbar waren. Schminke, Kleidung, Konzertbesuche … Zurück in den Schlaf zu finden, war kein Kinderspiel. Das Verhalten meiner Mutter hatte mich einfach zu sehr aufgebracht. Und als ich es dann doch nach einer gefühlten Ewigkeit endlich schaffte einzuschlafen, träumte ich einen Mist nach dem anderen. Dabei hatte ich so sehr gehofft, ihm, wer auch immer er war, wieder im Land der Träume zu begegnen.

Endlich!, dachte ich erleichtert, nachdem ich die Wohnungstür hinter mir geschlossen hatte. Ohne Punkt und Komma hatte mir meine Mama einen Vortrag übers Arbeiten gehalten. Ich konnte nicht einmal in Ruhe mein Marmeladentoast essen. Wie auch immer. Während ich die Treppen des Altbaugebäudes hinunterlief, zog ich mir meine warmen Baumwollhandschuhe an und setzte mir eine Mütze auf, da draußen ein kleines Unwetter herrschte. Kaum hatte ich die Haustür geöffnet, kam mir ein starker Wind ins Gesicht gefegt. „Und bei dem Wetter soll ich mir einen Job suchen?“ Genervt rollte ich mit den Augen und trat seufzend hinaus. Da ich in der Innenstadt wohnte, konnte ich eine Menge Geschäfte nacheinander aufsuchen. Dass ich in einigen schon vor Tagen nachgefragt hatte, ob man eventuell eine Aushilfe suchte, sollte mich nicht davon abbringen, erneut nachzuhaken. Es konnte schließlich sein, dass irgendwer nun doch eine kleine Stelle für mich hatte. Einen Laden nach dem anderen klapperte ich ab, doch immer wieder hörte ich die gleichen Sätze:

„Tut uns wirklich leid, aber wir suchen keine Aushilfen.“

„Haben Sie eine Berufsausbildung? Nein? Kein Interesse.“

„Sie haben keinen Schulabschluss? Ohne können Sie keine Ausbildung beginnen und sich irgendwo bewerben, junges Fräulein.“

Die letzte Angestellte hatte mich innerlich echt wütend gemacht. Ja, ich besaß keinen Schulabschluss, noch nicht, denn ich besuchte gerade mal seit wenigen Wochen eine Abendschule, um genau diesen nachzuholen. Wieso ich mit meinen achtzehn Jahren noch keinen besaß? Die liebe Liebe war dran schuld – und meine Mutter. Sicherlich hatte auch ich etwas Schuld an dem Chaos, aber nicht in erster Linie. Nachdem man mich von der Grundschule auf eine Gesamtschule geschickt hatte und wir in eine andere Stadt gezogen waren, fing das Durcheinander an. Nie hatte ich verstehen können, warum ausgerechnet ich es nur auf die Gesamtschule geschafft hatte. Es war wie ein Schlag in die Magengrube. All meine Freundinnen und Freunde gingen schließlich auf eine Realschule, nur wenige auf ein Gymnasium. Auf ein Gymnasium hatte ich jedoch nie gehen wollen, da es mir zu stressig schien. Aber auf die Realschule wäre ich sehr gerne gegangen. Es war nicht so, dass Gesamtschüler blöder waren als die von der Realschule. Es lag einfach an den Umständen. Ich war die Einzige, die wirklich niemanden kannte und auch keinen Zugang zu irgendwem gefunden hatte. Hinzu kam, dass ich mich mit den Lehrern ebenfalls nicht verstand, weshalb ich die ein oder andere Stunde geschwänzt hatte. Dem nicht genug, war die Entfernung dermaßen immens, dass ich schon lustlos in den Unterricht ging. Morgens musste ich um halb sechs aufstehen, um den Bus um halb sieben erwischen zu können. Zuerst ging es in eine andere Stadt, dann musste ich eine halbe Stunde warten und in den Schulbus umsteigen, der stets völlig überfüllt war. Hätte ich wenigstens eine Freundin auf der Schule gehabt, wäre das Ganze sicherlich etwas erträglicher gewesen. Da ich keine große Lust mehr verspürt hatte, mir diesen morgendlichen Stress anzutun, schwänzte ich und verbrachte Stunden auf irgendwelchen Spielplätzen, wo ich die Schulbücher systematisch durchgegangen war. Okay, Geschichte hatte ich ausgelassen. Irgendwie kam es mir immer so vor, als ob die Geschichtsbücher manipuliert waren, als ob diese nicht die Wahrheit erzählen würden. Wirtschaft war auch nicht so ganz mein Fach. Am tollsten fand ich Deutsch, Englisch und Bio. Jedoch war diese Zeit auch eine sehr einsame, da ich wirklich niemanden hatte, mit dem ich über meine Probleme reden konnte. Nachdem meine Mutter nach geschlagenen zwei Monaten einen Brief von der Schule bekommen hatte, war daheim die Hölle los. Ich schlug ihr einen Schulwechsel vor und pochte darauf, auf die Hauptschule gehen zu dürfen.

Wieso ich plötzlich auf die Hauptschule wollte? Mein damaliger Schwarm, der Daniel, ging auf diese Schule und da ich sowas von verknallt in ihm war, wollte ich ihm nahe sein. Sicherlich hatten wir im selben Haus gewohnt und oft Stunden miteinander verbracht, aber das reichte mir nicht aus. Ich wollte mehr und so kam es, dass man mich nach ewiger Bettelei tatsächlich auf die Schule verfrachtete, die Daniel besucht hatte. Für mich spielte es keine Rolle, dass ich erst in der siebten und er bereits in der zehnten Klasse war. Jahre später verstand ich, warum er nie Interesse an meiner Person gehabt hatte. Mehr als eine kleine Schwester war ich nie für ihn gewesen. Schade, aber ich konnte es nicht ändern.

Auf der Hauptschule hatte ich von Anfang an den Vorteil, mit dem Lernstoff erheblich weiter zu sein. Ich schrieb eine Eins nach der anderen, Freunde hatte ich dennoch keine gefunden – im Gegenteil. Meine Mom hatte mich vorgewarnt, dass Problemfälle auf Hauptschulen kämen – hätte ich ihr doch mal geglaubt. Was ich dort alles erlebt hatte, kann man sich nicht vorstellen und glauben würde man mir dies wahrscheinlich auch nicht. Auf der Hauptschule lernte ich irgendwann Silke kennen. Silke war eine Klasse über mir, etwas molliger und wirklich nett zu mir – auch wenn ich ihre ständigen Versuche, ihr braunes Haar zu blondieren, nicht gutheißen konnte. Wir freundeten uns an und verbrachten fortan jede freie Minute miteinander. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr auf die Hauptschule und ihre verrückten Schüler. Wir beschlossen unseren Abschluss auf einer Abendschule nachzuholen und verbrachten Stunden über Stunden in den Innenstätten, auf Spielplätzen, in Geschäften. Wir waren überall dort, wo uns unsere Busfahrkarten, die wir von der Schule bekommen hatten, kostenlos hinbrachten. Es war eine recht lustige Zeit. Meine Mutter war selbstverständlich alles andere als erfreut über meine ständige Schulschwänzerei. Mehrfach hatte ich jedoch versucht, mit ihr über meine Sorgen und Ängste zu reden, doch schien es sie nie wirklich zu interessieren. Und dann, nun ja … Irgendwann ließ Mama eine derartig gewaltige Bombe platzen, die ich ihr wahrscheinlich niemals werde verzeihen können. Sie sagte, dass meine Grundschullehrerin mich auf die Realschule hatte schicken wollen, meine Mutter aber dagegen war. Der Grund? Meine Mama hatte Angst, dass sie mir dann nicht bei den Hausaufgaben helfen könnte. Ich war aus allen Wolken gefallen, als ich das gehört hatte. Seitdem hing der Haussegen mehr als nur schief. Manchmal fragte ich mich, was ich alles für schöne Sachen hätte erleben können, wenn man mich auf die Realschule geschickt hätte. Wen hätte ich wohl alles kennengelernt und was wäre eventuell aus mir geworden? Diese Fragen stellte ich mir seitdem fast jeden Tag. Natürlich war ich noch nicht zu alt, um etwas aus mir machen zu können, aber ich hätte mir gewiss eine Menge an Ärger ersparen können, hätte meine Mama nicht diese fatale Fehlentscheidung für mich getroffen.


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